New York, 1864
Zwei Notendrucke von 1864 veröffentlichen „Finigan’s Wake“ in New York für Stimme und Klavier, strophisch mit Refrain. Ein Billigliederbuch-Katalog wirbt zudem für einen Tim Finigan’s Wake Songster. Der sichere Anfang liegt im irisch-amerikanischen Unterhaltungsgeschäft, nicht in einem uralten irischen Manuskript.
Charles Glover oder John Durnal erscheinen als Bearbeiter. Das benennt nicht automatisch den Schöpfer aller Worte und Töne. Spätere Bühnenkünstler beanspruchten das Lied, doch keine alleinige Autorschaft ist gesichert.
Sturz, Totenwache, Kampf, Rückkehr
Tim trägt Mörtel und Ziegel über Leitern. Er stürzt, verletzt den Kopf und wird für tot gehalten. Trauer wird zu Trinken, Streit und Schlägerei. Whiskey trifft den vermeintlichen Leichnam; Tim setzt sich auf und beschwert sich über das Fest ohne ihn.
Alkohol ist Ursache und komische Medizin zugleich: Er führt zum Unfall und wird dann „Wasser des Lebens“. Der Refrain verwandelt Unglück in gemeinsame Befreiung.
Humor mit historischem Rahmen
Das Archiv ordnet den Druck unter Karikatur, Trunkenheit, Kampf und Irland ein. Übertriebene Schreibweise und Bühnendialekt stammen aus einer Industrie „irischer“ Typen, die auch Einwanderergemeinschaften konsumierten.
Das Lied konnte Wiedererkennen, Spott, Selbstparodie und Gruppenfreude verbinden. Heute sollte die Theatersprache nicht als neutrale Aufnahme aller irischen Stimmen ausgegeben werden.
Tradition und Joyce
Das Irish Traditional Music Archive führt das Stück als Polka; Smithsonian dokumentiert Tom Kines. So gelangte ein kommerzielles Lied in traditionelle, Session- und Diaspora-Repertoires.
James Joyce entlehnte Titel und Sturz-Wiederkehr für seinen Roman von 1939. Finnegans Wake ohne Apostroph lässt mehrere Finnegans erwachen und „wake“ zum Aufruf werden. Der Roman ist keine bloße Nacherzählung, sondern weitet das Motiv auf Geschichte, Traum und Sprache aus.
Whisflos sechzehn Takte
Die Fassung folgt der bekannten Clancy-Brothers-Melodie: C-Dur-hexatonisch, 4/4, bei redaktionellen 124 BPM. Sie reicht G4–E5, nutzt G, A, B, C, D und E und zählt 76 Anschläge in Auftakt plus sechzehn vollen Takten, alle ohne Schieber.
Takt 1–8 ist Strophe, 9–16 Refrain. Wiederholte E, C, A und G bleiben leicht; die kurzen notierten Pausen bleiben hörbar.
Ohne rhythmische Schlägerei üben
Spiele bei 64 BPM Takt 1, 5, 9, 11, 13 und 15 einzeln. Nutze für jede Wiederholung denselben kleinen Zungenstoß. Verbinde dann jede Viertaktfrage mit ihrer veränderten Antwort.
Steigere über 80 und 104 auf redaktionelle 124 BPM, ohne wiederholte Achtel oder kurze Pausen zu verwischen. Die Komik braucht Schwung; die Schlägerei im Text darf den Puls nicht verwüsten.
Zuletzt geprüft am 10. August 2026
Quellen und Forschungsnachweis
- 01 Finigan’s Wake: The Popular Irish Song, The Only Correct Edition Lester S. Levy Sheet Music Collection, Johns Hopkins University · 1864
- 02 Finigan’s Wake — William A. Pond & Co. Copy Lester S. Levy Sheet Music Collection, Johns Hopkins University · 1864
- 03 Finigan’s Wake — Digitised Score Lester S. Levy Sheet Music Collection, Johns Hopkins University · 1864
- 04 Tim Finigan’s Wake Songster — De Witt Songster Catalogue American Folklife Center, Library of Congress
- 05 Manhattan Transfer: The Surprise Origins of “Finnegan’s Wake” The Irish Times · 2019
- 06 Finnegan’s Wake — Polka Irish Traditional Music Archive
- 07 Tim Finnegan’s Wake — Tom Kines Smithsonian Folkways Recordings · 2006
- 08 Finnegans Wake (1939) James Joyce Centre, Dublin
- 09 Finnegans Wake Routledge Encyclopedia of Modernism · 2017
- 10 The Narrative Presentation of Orality in James Joyce’s Finnegans Wake Oral Tradition · 1992
- 11 James Joyce Collection Catalogue — “Tim Finigan’s Wake” Typescript University at Buffalo Libraries
- 12 Transition No. 18 and Joyce Correspondence National Library of Ireland · 1930
- 13 Finnegan’s Wake — Digital Tradition / Clancy Brothers Setting Digital Tradition via the John Chambers ABC Collection