Blue-Eyed Stranger – Lektion

Blue-Eyed Stranger ist eine Morris-Tanzmelodie aus Headington Quarry, deren kompakte Phrasen einen verlässlichen Puls, leichte Artikulation und wiederholbaren Tanzlift brauchen.

Schwierigkeit
Mittelstufe
Tempo
120 BPM
Takt
2/4
Tonart
C Mixolydian
Tonumfang
G4 to A5

Die Geschichte hinter Blue-Eyed Stranger

Liedgeschichte Eine Headington-Morris-Melodie zwischen William Kimber, Cecil Sharps Notiz von 1899, dem Morris Book von 1907, Varianten, Aufnahmen und Mundharmonika.

Kein amerikanischer Old-Time-Song

Der Titel Blue-Eyed Stranger klingt nach einer sentimentalen Ballade. In den Quellen bezeichnet er jedoch zuerst eine englische Cotswold-Morris-Melodie und einen Taschentuchtanz. Der Morris Ring führt das Stück in der Headington-Tradition und dokumentiert dort mehrere schriftliche Fassungen.

Damit fällt eine naheliegende, aber falsche Einordnung weg: Es handelt sich in diesem Zusammenhang nicht um ein amerikanisches Old-Time-Stück. Ebenso wenig belegt der Titel eine romantische Handlung. Die Quellen kennen Musiker, Tänzer, Sammler und Melodievarianten, nennen aber keine reale blauäugige Person und keinen verbindlichen Liedtext.

Headington Quarry am Boxing Day 1899

Am 26. Dezember 1899 tanzten sechs Männer aus Headington Quarry vor Sandfield Cottage bei Oxford. Cecil Sharp verbrachte dort Weihnachten bei seiner Familie. Die Konzertina spielte William „Merry“ Kimber Jr, damals 27 Jahre alt, Maurer, Tänzer und Spieler der Anglo-Konzertina.

Spätere Erzählungen machen daraus gern einen reinen Zufallsfund. Tatsächlich kannte Sharps Schwiegermutter Dora Birch Kimber durch Bauarbeiten und hatte ihn gedrängt, die Gruppe mitzubringen. Frost verhinderte die Arbeit in Steinbruch und Baugewerbe; deshalb tanzten die Männer, um etwas Geld zu verdienen. Zu hören waren Laudnum Bunches, Bean Setting, Constant Billy, Blue-Eyed Stranger und Rigs o’ Marlow.

Kimber kam am folgenden Tag zurück. Sharp notierte die fünf Melodien; Constant Billy und Blue-Eyed Stranger stehen gemeinsam unter der Feldnummer FT44. Sharps Notiz gab der Musik einen neuen Weg in Bücher und Revival-Kreise. Komponiert hatte er sie damit nicht: Kimber und seine Gemeinschaft trugen die Überlieferung schon vorher.

Wie aus Bewegung eine Druckseite wurde

1899 konnte Sharp die Töne aufschreiben, aber noch keine vollständige Choreografie festhalten. Später unterrichtete Kimber die Headington-Tänze im Londoner Espérance Girls’ Club von Mary Neal. Herbert MacIlwaine entwickelte ein Notationssystem; die führende Tänzerin Florrie Warren führte ihm die Bewegungen vor, die er beschrieb.

Im April 1907 erschien der erste Teil von The Morris Book unter den Namen Sharp und MacIlwaine. Hinter dem Buch stehen jedoch mehrere Wissensformen: Kimbers erlernte und gelebte Tradition, Sharps musikalische Mitschrift und Öffentlichkeitsarbeit, Warrens Körperwissen, MacIlwaines Notation und die Probenarbeit der Espérance-Tänzerinnen.

„Gesammelt“ bedeutet deshalb nicht „unverändert konserviert“. Der Morris Ring weist auf Abweichungen zwischen Handschriften, Buchauflagen und heutiger Praxis hin. Der Druck verbreitete den Tanz erfolgreich, verwandelte aber zugleich Entscheidungen einer bestimmten Zusammenarbeit in ein vermeintlich festes Modell.

Was beim Taschentuchtanz geschieht

The Morris Book nennt Blue-Eyed Stranger ausdrücklich einen Handkerchief Dance. Sechs Personen stehen in zwei Reihen, wechseln Plätze, bilden eine Kette, tanzen Rücken an Rücken und kehren in die Frontstellung zurück. Besonders auffällig ist ein achttaktiger Abschnitt: Alle markieren am Platz den Schritt und schwingen dazu Arme und Taschentücher.

Bei großer Energie durfte die Gruppe die vollen sechzehn Takte des B-Teils tanzen. Die musikalische Wiederholung erfüllt also eine körperliche Aufgabe. Sie schafft Zeit für Figuren, Sprünge, Formationswechsel und den abschließenden Ruf. Wer den Tanz begleitet, muss einen verlässlichen Boden liefern; zu freies Rubato stört die Füße.

Manche Aussagen des Buches von 1907 über Geschlecht, Nation und körperliche „Kraft“ gehören zu seiner edwardianischen Zeit. Als Primärquelle zeigt es die publizierte Choreografie und die Arbeitsweise des Revivals. Es legt nicht fest, wer heute Morris tanzen darf.

Eine Spur bis 1725 – aber kein Geburtsdatum

Sharp und MacIlwaine berichten, der Musikhistoriker Frank Kidson habe Blue-Eyed Stranger als Variante von The Mill, Mill, O erkannt, gedruckt 1725 im Orpheus Caledonius. Außerdem erwähnen sie Gemeinsamkeiten mit Just as the Tide Was Flowing.

Das ist ein Hinweis auf melodische Verwandtschaft, kein Beweis für eine Komposition im Jahr 1725. Varianten können Kontur oder einzelne Phrasen teilen, ohne eine lückenlose Autorschaftslinie zu bilden. Sicher ist nur, dass ein Fachmann des frühen 20. Jahrhunderts eine ältere gedruckte Verwandte hörte.

Auch der Name bezeichnet nicht überall dieselbe Musik. Datenbanken führen Fassungen aus Headington, Bucknell, Field Town und anderen Traditionen. Das Winster Wakes Archive betont ausdrücklich, dass Winsters Blue Eyed Stranger eine andere Melodie ist als die von Sharp in Oxfordshire notierte. In mündlicher Überlieferung können Titel und Töne getrennte Wege nehmen.

Vom Dorfplatz in die Royal Albert Hall

Durch Bücher, Kurse und Vorführungen gelangte das Repertoire weit über Oxfordshire hinaus. Im Archiv der Royal Albert Hall steht Blue-Eyed Stranger im Programm des All-England Festival of English Folk Dance and Song vom 3. Januar 1931. William Kimber war beteiligt; zu den Dirigenten gehörte Ralph Vaughan Williams.

Tonaufnahmen bewahrten eine andere Ebene. Die Folktrax-Sammlung listet Blue-Eyed Stranger unter den Tanzmelodien, die Kimber auf der Anglo-Konzertina spielte. Eine erste Gruppe wurde 1946 und 1948 im Studio aufgenommen, weiteres Material in den 1950er-Jahren in seinem Haus. So bleiben Artikulation, Begleitung und rhythmische Beweglichkeit hörbar, die eine Notenseite nicht vollständig erfasst.

Weder die große Bühne noch die Schallplatte schuf eine endgültige Fassung. Die Headington-Gruppe wurde nach Pausen neu gegründet, und spätere Generationen lernten aus Unterricht, Manuskripten, Büchern und Aufnahmen. Kontinuität bedeutet hier fortgesetzte Auswahl, nicht Stillstand.

Whisflos 12-Takt-Fassung üben

Das aktuelle Arrangement bewahrt die kompakte Headington-Fassung mit 12 Takten im 2/4-Takt bei 120 BPM. Der Tonumfang reicht von G4 bis A5; verwendet werden G, A, A♯, C, D, E und F. Im C-bezogenen Klang wirkt das notierte A♯ wie B♭ und erzeugt eine mixolydische Färbung. Auf der chromatischen C-Mundharmonika braucht dieser Ton den Schieber, der vor A oder C vollständig gelöst werden muss.

Beginne bei 72 BPM und teile die Noten in die Takte 1–4, 5–8 und 9–12. Der erste Abschnitt stellt die tiefe Antwort vor, der zweite führt zu A5, der dritte greift das hohe Muster auf und kehrt zur Anfangskadenz zurück. Übe A–A♯–C isoliert, bis der Schieber ohne zusätzlichen Akzent arbeitet.

Die Sechzehntelläufe sollen leicht, der Takt aber stabil bleiben. Drücke die hohen Töne nicht mit mehr Luft heraus; A5 braucht fokussierten Klang statt Kraft. Steigere das Tempo erst bis 120 BPM, wenn alle drei Abschnitte mehrfach sauber bleiben. So behält die Solofassung den tragfähigen Tanzimpuls.

Zuletzt geprüft am 31. Juli 2026

Quellen und weiterführende Literatur

  1. 01 Kimber, William Cecil Sharp’s People / Vaughan Williams Memorial Library records · 2019
  2. 02 Headington tradition and tunes The Morris Ring
  3. 03 Blue-Eyed Stranger, Headington 1 — Morris Dance Tunes ABC The Morris Ring
  4. 04 The Morris Book, Part I Project Gutenberg — Cecil J. Sharp and Herbert C. MacIlwaine · 1907
  5. 05 Cecil Sharp and English Folk Song and Dance before 1915 Country Dance & Song Society — Derek Schofield · 2016
  6. 06 All-England Festival of English Folk Dance and Song Royal Albert Hall Archive · 1931
  7. 07 FTX-382 — Bean Setting: William Kimber Folktrax Archive · 1946
  8. 08 The Gwilym Davies Morris Tunes Database Morris Dance Database
  9. 09 Joe Rains and the Winster Blue Eyed Stranger Winster Wakes Archive
  10. 10 Among the Many — digital booklet Topic Records · 2012

Übungsplan Takt für Takt

  1. Modul 1: Nicht geübt, beste Punktzahl 0%.
  2. Modul 2: Nicht geübt, beste Punktzahl 0%.
  3. Modul 3: Nicht geübt, beste Punktzahl 0%.

Bringe die Tonreihe unter deine Finger

Gehe die im Stück verwendeten Töne durch und kehre mit demselben ruhigen Atem und derselben Fingerhöhe zurück.

Übung · Bringe die Tonreihe unter deine Finger

Gehe die im Stück verwendeten Töne durch und kehre mit demselben ruhigen Atem und derselben Fingerhöhe zurück.

Modul 1 · Takte 1-4 · die Eröffnungsphrase festigen

Beginne das Stück mit ruhigem Ansatz und lass die erste Phrase bewusst klingen, bevor du weiterspielst.

  • Spiele die Takte 1-4 ohne Pause durch.
  • Halte ein gleichmäßiges Tempo vom ersten bis zum letzten Ton.
  • Lande den letzten Ton sauber mit zentriertem Klang.
Beste Punktzahl 0%

Übung · Takte 1-4

Beginne das Stück mit ruhigem Ansatz und lass die erste Phrase bewusst klingen, bevor du weiterspielst.

Kontrollpunkt · Takte 1-4

Nutze diesen kurzen Checkpoint, um zu prüfen, ob der vorherige Übungsblock sitzt, bevor du weitergehst.

Modul 2 · Takte 5-8 · die Mittelphrase stabilisieren

Nutze diese Phrase, um den Rhythmus kompakt zu halten und die Linie nicht zu früh zu öffnen.

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Modul 3 · Takte 9-12 · das Stück sauber abschließen

Behandle die Takte 9-12 wie eine eigene Übung und lass die letzte Landung gesetzt klingen, nicht zufällig.

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Grifftipps für dieses Stück

  • Halte die Mundharmonika mittig und wechsle die Löcher mit kleinen Bewegungen.
  • Bereite das nächste Loch vor, bevor der aktuelle Ton endet.
  • Bereite den Schieber vor jedem veränderten Ton vor und löse ihn beim Naturton.

Übungstipps für dieses Stück

  • Übe jeden Abschnitt langsam mit Metronom und erhöhe das Tempo erst nach drei sauberen Durchgängen.
  • Markiere Atemstellen in den Pausen und unterbrich gehaltene Töne nicht zu früh.
  • Nimm einen vollständigen Durchgang auf und höre zuerst auf Puls, dann auf Tonhöhe und Artikulation.

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Enthält Takte 5-8, Takte 9-12

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