Ein traditioneller Rahmen, kein Kinderlied eines einzelnen Autors
Old MacDonald Had a Farm ist ein anonymes angloamerikanisches Kinderlied und trägt im Roud Folk Song Index die Nummer 745. Sein Prinzip ist einfach: Ein Tier wird genannt, sein Laut nachgeahmt, „hier“, „dort“ und „überall“ platziert und danach kehren Bauer und E-I-E-I-O zurück. Jede Gruppe kann Tiere austauschen, Strophen hinzufügen oder frühere Tierlaute kumulativ wiederholen.
Diese Veränderlichkeit ist kein Überlieferungsfehler, sondern Zweck der mündlichen Tradition. Eine Person gibt ein Tier vor, die Gruppe antwortet. Kinder ahnen die Wiederholungen voraus; in der kumulativen Form merken sie sich eine immer längere Reihenfolge.
Das Repository nennt die Partitur Old McDonald, eine häufige verkürzte Schreibweise. Historische Kataloge und der übliche Titel verwenden meist Old MacDonald Had a Farm. Keine Form bezeichnet nachweislich einen realen Bauern, und keine belastbare Quelle nennt einen alleinigen Autor des modernen Liedes.
Ein Verwandter des 18. Jahrhunderts beweist keine moderne Urheberschaft
In the Fields in Frost and Snow ist mit Thomas D’Urfeys Bühnenwerk von 1706 verbunden und in Wit and Mirth von 1719 überliefert. Der Sänger versorgt die Tiere seines Vaters und ordnet ihre Rufe „hier“, „dort“ und „überall“. Damit ist das Stück ein wichtiger früher Verwandter der späteren Bauernhoflied-Familie.
Es ist jedoch nicht das moderne Lied unter anderem Namen. Text, Bühnensituation und Melodie unterscheiden sich; weder Old MacDonald noch E-I-E-I-O kommen vor. Das Traditional Tune Archive belegt außerdem seine eigenständige Laufbahn als Country Dance.
Die Behauptung, D’Urfey habe „Old MacDonald komponiert“, reicht daher weiter als die Quellen. Sicher ist seine Verbindung mit einem frühen gedruckten Tierlaute-Lied. Unbewiesen bleibt, ob alle späteren britischen und amerikanischen Fassungen direkt daraus stammen oder zu einer breiteren mündlichen Familie gehören.
Britische Feldaufzeichnungen zeigen diese Vielfalt: Die Vaughan Williams Memorial Library bewahrt The Farmyard Song in der Harry-Albino-Sammlung sowie Percy Graingers 1906 notiertes Father’s Wood I O. Ländliche Arbeit und Tierlaute verbinden sie, Wortlaut und Melodie nicht.
1917: Old Macdougal betritt den Hof
Die deutlichste gedruckte Brücke steht in Frederick Thomas Nettleinghams 1917 in London erschienener Kriegsliedsammlung Tommy’s Tunes. Das Stück Ohio nennt Old Macdougal, setzt wechselnde Tiere auf seinen Hof, ahmt ihre Rufe nach und kehrt zu Ohio-i-o zurück.
Die Sammlung umfasst Soldatenlieder, Marschmelodien, Reime und Parodien aus dem Umfeld der British Expeditionary Force. Nettleingham sammelte und arrangierte; er war nicht automatisch Autor jedes Stücks. Die Quelle beweist eine nahe Fassung im Jahr 1917, aber keinen Ursprung im Schützengraben.
Der Wandel von Macdougal und Ohio-i-o zu MacDonald und E-I-E-I-O zeigt mündliche Stabilisierung. Namen passen sich Gedächtnis und Rhythmus an; ein Refrain kann seine geografische Bedeutung verlieren und Vokale sowie musikalische Funktion behalten.
1925: der moderne Titel wird aufgenommen
Die University of California, Santa Barbara dokumentiert die Edison-Aufnahme Old MacDonald Had a Farm des Sam Patterson Trio vom 18. September 1925. Sie erschien als Edison 51644 und ist eine sicher belegte frühe kommerzielle Aufnahme unter dem heute bekannten Titel.
Das Trio wird dadurch nicht zum Autor. Eine Schallplatte fixiert eine Aufführung umlaufenden Materials und kann Titel und Melodie verbreiten, ohne sie geschaffen zu haben. Trotzdem markiert sie einen Wendepunkt: Mitte der 1920er waren MacDonald-Name und Liedrahmen katalogfähig stabil.
Die Eloise-Hubbard-Linscott-Sammlung der Library of Congress führt das Lied später auf einer Feldaufnahme um 1940. Kommerzielle Verbreitung und volkstümliches Singen bestanden nebeneinander.
Der offene Rahmen wirkt bis heute. Eine Broschüre des US-Landwirtschaftsministeriums ersetzt Tiere durch Säen, Gießen, Ernten und Essen in einer „Spinat-Version“. Der Umbau funktioniert, weil die austauschbaren Stellen allgemein bekannt sind.
Was Whisflos Partitur wirklich enthält
Whisflos korrigierter Satz ist C-Dur-pentatonisch und verwendet G, A, C, D und E. Er steht in 4/4 bei 112 BPM, reicht von G4–E5 und umfasst 59 klingende Anschläge in 16 notierten Takten. Alle fünf Töne sind Naturtöne; der Schieber bleibt gelöst.
Vier Viertaktgruppen zeigen die Form. Takt 1–4 hält das C der E-I-E-I-O-Kadenz drei Schläge. Takt 5–8 setzt zwei G-Achtel auf Schlag vier. Takt 10 bleibt für “moo-moo here” korrekt auf C; die wiederholten Cs in Takt 9–12 tragen „hier, dort, überall“. Takt 13–16 kehrt zum Anfang zurück.
Der Umfang beträgt nur eine große Sexte, doch der Rhythmus wechselt. Viertel bauen den Satz, punktierte Halbe verbreitern beide Kadenzen, Achtelpaare beleben die Mitte, und das ganze Schluss-C dauert vier Schläge.
Das Kodály Center analysiert eine verbreitete angloamerikanische Fassung ebenfalls als do-zentriert, pentatonisch, eng im Umfang und motivisch wiederholt. Anfängerfreundlich bedeutet hier nicht ungenau.
Zuerst den Text als Rhythmus sprechen
Beginne bei 68 BPM, sprich die Titelzeile und klopfe vier gleichmäßige Schläge. Spiele Takt 1–4 mit leichtem „du“: C–C–C–G, A–A–G, E–E–D–D und das punktierte halbe C. Trenne die beiden As und halte G volle zwei Schläge.
Vergleiche Takt 5–8. Takt 8 setzt direkt nach dem dreischlägigen C zwei G-Achtel; sie füllen Schlag vier und leiten den Tierlaut-Abschnitt ein.
Übe Takt 9–12 halb so schnell. Wiederholtes C verrät dem Finger nicht, ob der Rhythmus stimmt. Zähle Unterteilungen und bewege die Zunge minimal. Takt 11 wechselt Achtelpaare und Viertel, Takt 12 beginnt mit vier Achteln und endet mit zwei Vierteln.
Verbinde zuletzt die vier Abschnitte bei 68, 80, 92, 104 und 112 BPM. Lege Atemstellen fest, auch wenn du ohne Text spielst. Die Schieberhand bleibt locker und still.
Zuletzt geprüft: 10. August 2026
Quellen und Forschungsnachweis
- 01 In the Fields in Frost and Snow in Wit and Mirth, volume II Internet Archive / University of California Libraries · 1719
- 02 In the Fields in Frost and Snow Traditional Tune Archive
- 03 The Farmyard Song — Harry Albino Manuscript HHA/21/1 Vaughan Williams Memorial Library
- 04 Father's Wood I O — Percy Grainger Manuscript PG/5/155 Vaughan Williams Memorial Library · 1906
- 05 Tommy's Tunes: soldiers’ songs, marching melodies, rhymes, and parodies Sibley Music Library, Eastman School of Music · 1917
- 06 Tommy's Tunes, digitised 1917 edition Google Books / University of Wisconsin–Madison · 1917
- 07 1925 recordings digitized by UCSB entering the public domain University of California, Santa Barbara Library · 2026
- 08 Old MacDonald Had a Farm — Sam Patterson Trio, Edison 51644 Discography of American Historical Recordings, UCSB · 1925
- 09 Old MacDonald Had a Farm — Roud 745 Traditional Ballad Index, California State University Fresno
- 10 Eloise Hubbard Linscott collection finding aid American Folklife Center, Library of Congress
- 11 Old MacDonald Had a Farm — song analysis Kodály Center for Music Education, Holy Names University
- 12 Grow It, Try It, Like It! — Old MacDonald Had a Farm, Spinach Style United States Department of Agriculture
- 13 Old Mac Donald — modern melody in ABC notation ABCnotation / John Chambers collection
- 14 Old MacDonald Had a Farm — traditional flute score Flutetunes